If you can't DJ, don't DJ


Eines vorab: Ich mag die meisten Veröffentlichungen der DJ Kicks Reihe und ich liebe Hot Chip. Aber: Zugegebenermaßen bringt es Hot Chip Mastermind Joe Goddard in einem Interview letztes Jahr auf folgende Frage selbst am besten auf den Punkt.



Frage: Das erste Mal, dass ich dich auflegen gehört habe, war vor sechs Jahren bei einem DJ-Set in der Panorama Bar. Und um ehrlich zu sein: Es war eines der schlechtesten Sets, die ich dort gehört hab.

Joe Goddard: Ja, das war eine sehr dumme Sache und definitiv das schlechteste Set, das ich je gespielt habe. Ich habe abwechselnd zusammen mit Al von Hot Chip aufgelegt. Er hat coole Techno-Platten gespielt und ich alles Mögliche. Da hat überhaupt nichts zusammengepasst. Das Fatale dabei: Ich war so drauf, dass ich das gar nicht mitbekommen habe.


Yep. Genauso so klingt auch die Hot Chip - Dj Kicks. Da trifft Hip Hop von Positive K ( der klingt wie Will Smith) auf deutschen Floraltechno von Dominik Eulberg. Eine völlig überflüssige Version von New Order findet sich von einer Jiggle HipHop Platte getrennt in trauter Vereinigung mit minimal Gebolze von Gabriel Ananda und nach insgesamt 24 Tracks aus allen Musikrichtungen endet das Drama mit Rock'n'Roll von Ray Charles.


Das klingt weder innovativ noch lustig, sondern nervtötend. Das ganze Drama wird auch nicht von einem Flow getragen, weil die Tracks entweder schlecht oder garnicht gemixt sind. Das einzig Tröstende ist der Beitrag von Hot Chip selbst - "My Piano" - eine wunderbare Platte, wie sie nur von Hot Chip selbst produziert werden kann.


Nun stellt sich die Frage warum ich diese Platte überhaupt jemals gekauft habe? Weil ich Hot Chip geil finde und alles von dieser Wahnsinnsband gekauft habe, ohne auch nur daran zu denken, vorher einmal hinein zu hören, bzw. beim Lesen der Tracklist mal den Kopf einzuschalten. Passiert mir so schnell auch nicht wieder.




Nichtbelangloser Jazz, euren Eltern zuliebe


Mit Jazz ist ja so eine Sache. Unendlich viele Sampler, die dem geneigten Käufer ein Best-of versprechen, aber nur die reine Langeweile halten. Manch einer wirft mit großen alten Namen a la Louis Armstrong und Chet Baker um sich und hat doch keine Ahnung. Und letzten Endes werden die Alben nur noch rausgeholt wenn Mama und Papa zum Abendessen kommen.



Ich hatte mit Jazz sehr lange gar nichts am Hut bis mir ein Konzert von Lisa Bassenge in der Fabrik (Hamburg) die Augen geöffnet hat. Das war ca. 2005 und seitdem kaufe ich unstrukturiert und unregelmäßig Jazzalben. Nie alten sondern immer zeitgenössischen Kram. Metropolitan Jazz Affair ist die Art von unstressigem Jazz der sehr nahe an der Belanglosigkeit vorbeischrammt ohne es tatsächlich zu sein.


Das Album beginnt mit einer langsamen Nummer die sich aufs Saxophon konzentriert um dann ab dem zweiten Track auch mal sowas wie einen Beat zu entwickeln. Erinnert schon fast an St. Germain bleibt aber viel näher an Jazz als an House. Das bleibt auch das ganze Album so, selbst wenn dann und wann ein 4/4 Takt das Zepter übernimmt und sogar so was wie Hop Hip zu erahnen ist. Das kann Guru allerdings besser, der Jazz und Hip Hop in seiner Jazzmattaz Reihe zusammenbringt wie kein Zweiter.


Metropolitan Jazz Affair lässt sich auch gut nebenbei beim Lesen oder Arbeiten hören und das heißt nicht, dass sie im Grundrauschen vor lauter Langeweile untergeht. Sie passt sich vielmehr einer ruhigen, konzentrierten Umgebung gut an. In größerer Runde geht sie unter, das wäre schade, weil man beim "vom Buch aufschauen" und beim mal konzentrierter Hinhören spannendes entdecken kann. Guter solider Jazz, der als ganzes Album aber keine griffige Geschichte erzählt. Besser als Till Brönner und seine Popjazz Kumpels isses aber allemal und Mama und Papa werden's beim Abendessen auch mögen. Mahlzeit!




Lieblingsband und passt zur Jahreszeit


Ich habe die beiden Herren als Vorband von Moby zum ersten mal 2001 gehört und war seinerzeit beeindruckt. Die beiden haben den Hauptact fast an die Wand gespielt und die Hamburger Sporthalle in Bewegung gebracht. Daraufhin habe ich mir auch das Album gekauft und bin seitdem so was wie ein Fan.



Das erste Röyksopp Album ist meines Erachtens das beste von allen vier Veröffentlichungen, weil es seine Wirkung als Ganzes entfaltet. Die beiden Norweger haben Anfang 2000 zusammen mit Künstlern wie trentemøller norwegische elektronische Musik auf das Radar gebracht. Und weil es Norwegen angeblich immer so kalt ist, konnten die Norweger vermeintlich so gemütliche und herzerwärmende Musik machen. Und das hat dem restlichen Europa wohl auch gut gefallen. Melody A.M. beginnt mit so easy und "Eple" relativ groovend um dann mit "Sparks" und "In Space" fast schon kitschig zu werden. Himmel, diese Flächen! Da läuft's einem kalt den Rücken runter.


Mit "Poor Leno" setzen langsam so was wie Beats ein. Die Platte war seinerzeitig ein Clubhit und wurde recht oft geremixt. Überflüssig wie ich finde, das Original hat einen housigen Unterton und besticht durch einen einfachen Loop und eingängige Vocals. Danach wird's wieder sphärisch und wie schon eingangs erwähnt fast kitschig.


Macht aber nix, das ganze Album wirkt in sich geschlossen und lässt sich sehr gut durchhören. Aus dem Gesamtkontext gerissen klingen die einzelnen Lieder teilweise einfallslos, deshalb bitte als komplettes Album hören. Am besten beim Spazieren gehen, wenn's kalt ist und innerlich wärmen soll. Das kann das Album sehr gut. Und wenn man die Chance hat Röyksopp in Concert zu sehen, unbedingt hingehen. Einen guten Eindruck gibt das Live-Album "Night Out"! "So Easy" (Track 1) drückt einen Live an die Wand.