John Allen - Sophomore & Interview

Ein Gespräch über das Alleinsein


John Allen habe ich kennengelernt, als ich alleine in Köln war und etwas trübsinnig im Hotel den jämmerlichen Inhalt der Minibar betrachtet und daraufhin beschlossen habe, alleine noch mal rauszugehen und mir auf gut Glück ein Konzert anzuschauen. Gelandet bin ich dann im Underground in Köln-Ehrenfeld und die Einmann Vorband war John Allen. Nach seinem Auftritt - der meiner Meinung weit besser war als der Mainact - haben wir uns unterhalten und seitdem locker den Kontakt gehalten. Da John auf der Bühne fast immer alleine auftritt und auch schon des öfteren alleine getourt ist, haben wir uns bei Weißwürschteln und Brezn über die Vor-und Nachteile des Alleinseins ausgetauscht. Und über sein neues Album "Sophomore".

Mixtape mit Freunden: Erzähl uns mal ein bisschen was übers Alleinsein.

John: Das Schöne am Alleinsein - vor allem auf Tour - ist, dass man so wunderbar selbstbestimmt ist. Ich hab Bock den Song schneller zu spielen, dann mach ich das. Und vergesse ich eine Textzeile, dann improvisiere ich eben. Will ich nach nem Auftritt mit Gästen noch einen trinken gehen, dann mach ich das. Und wenn ich schlafen gehen will, dann mach ich das auch. Den größten Nachteil habe ich auf langen recht einsamen Autofahrten empfunden. Irgendwann hat man auch das beste Hörspiel satt und das Lieblingsalbum über. Dann will man mit jemanden sprechen. Ich habe mich aber auch auf der Bühne schonmal recht alleine gefühlt. Wenn in nem Club nur vier Gäste sind, dann kann eine Bühne schon sehr groß sein und man selbst recht klein.


Mixtape mit Freunden: In Köln hast du die Leute tatsächlich dazu gebracht mitzusingen. Ich vermute mal, dass du dich dabei überhaupt nicht alleine fühlst.

John: Nein, wenn die Leute mitsingen ist das toll. Es reduziert die Distanz zwischen einem selbst und den Gästen ganz enorm. Die Leute applaudieren danach auch mehr und länger.


Mixtape mit Freunden: Wahrscheinlich auch, weil sie sich selbst beklatschen, dass sie sich getraut haben laut zu singen.

John: Da mag was dran sein. Alle werden dadurch irgendwie zu Komplizen. Das finde ich schon ziemlich gut. Bei dem Auftritt in Köln - bei dem wir uns kennengelernt haben - hab ich das zum ersten Mal gemacht und es direkt geklappt. Der Kölner an sich ist für etwas auch eher zu haben.


Mixtape mit Freunden: Best and worst moment in tour life?

John: Es gibt zwei "beste" Momente. Einmal der Abschluss der Tour mit Frank Turner im knallvollen e-Werk in Köln. "Zugabe" Sprechchöre sind schon was sehr abgefahrenes. Und mein eigenes Konzert in der Astrastube in Hamburg. Dort waren knapp 100 Leute, die nur für mich da waren und nur für mich Eintritt bezahlt haben. Das war schon Wahnsinn. Den zweifelhaftesten Moment habe ich in Berlin erlebt. Der Typ in dem Laden wusste gar nicht, wer ich bin und das ich da spiele, weil ihm der Booker nichts davon erzählt hatte. Daraufhin hat er mich in einen Raum im Keller geschickt und dort habe ich für zwei Freunde gespielt, die gekommen sind. Oben lief derweil ein völlig anderes Programm


Mixtape mit Freunden: Kein Moment großer Geselligkeit?

John: Auf keinen Fall. Aber weisst du, die beiden Leute haben sich den Tag so geplant, dass sie mich sehen können. Sie haben dafür Eintritt bezahlt und daher verdienen sie auch ne ordentliche Show. Und das versuche ich dann auch zu liefern. Aber manchmal ist es auch skurril. Ich bekomme nämlich gar nicht so wenige Mails, die mit folgendem Satz beginnen: "Ich weiss gar nicht, ob du deine Mails selber liest, falls nicht, bitte an John weiterleiten". Den Satz hätte die Person vermutlich nicht geschrieben, wenn sie bei dem denkwürdigen Konzert mit meinen beiden Freunden in Berlin dabei gewesen wäre.


Mixtape mit Freunden: Was war dein eindrucksvollstes Erlebnis mit einem Fan?

John: Nach einem Konzert kam mal eine Lady zu mir und bat mich die Textzeile eines meiner Songs auf ein Blatt Papier zu schreiben "If you searching for a home, just go where your heart tells you to go". Das habe ich dann auch brav gemacht. Daraufhin sagte sie, sie würde sich das die nächsten Tage genauso tätowieren lassen. Vor lauter Aufregung und Rührung habe ich ihr erstmal das Blatt Papier wieder abgenommen und den Text in schönster Sonntagsschrift noch mal geschrieben. Ein schöneres Kompliment kann man als Musiker nicht bekommen.


Am Ende des Gesprächs hat mir John sein Album "sophomore" in die Hand gedrückt. Das läuft mittlerweile schon zum fünften Mal. Einfach weil es ziemlich gut ist. Johns Stimme ist eindringlich und die Lyrics regen zum Nachdenken an. Und der Sound fördert eine unbändige Lust, die Familie und ein paar Freunde in einen Bully zu packen und ans Meer zu fahren. Der Rolling Stone hat es folgendermassen ausgedrückt: "Der Hamburger Singer / Songwriter entwirft schön schlichten Folk-Punk". Kann man so stehenlassen.


Johns Freundin betreibt im Übrigen einen kleinen und feinen Blog, der in Hamburg schöne Orte zum Frühstücken diggt. Finden wir gut, sowohl Frühstücken als auch kleine und feine Blogs.