Trentemoeller - The Last Resort

Nichts fürs dänische Ferienhaus, und gerade deshalb genial


Eins vorab: "The Last Resort" ist ein Meisterwerk in Sachen Düsterheit. Jeder einzelne Track schafft es eine Atmosphäre zu schaffen, die einen im dänischen Ferienhaus im Herbsturlaub so schnell nicht einschlafen lassen würde. Und dafür liebe ich das Album. Wie oft habe ich die auf nächtlichen Autofahrten, im Zug beim "Aus dem Fenster gucken" oder während eines Spaziergangs am Hafen gehört. Und jedes Mal war ein anderer Track mein Favorit.


Das Album startet mit “Take Me Into Your Skin“ dass sich mehr als 6 Minuten hochschraubt, um dann kurz durch zu starten und dann sanft aus zu laufen. Für "Vamp" scheint "Alter Ego" Pate gestanden zu sein. Das Geknarze im Hintergrund kommt mir in dem Zusammenhang nämlich ganz bekannt vor und "Evil Dub“ oder "Nightwalker" hätten auch auf Basic Channel erscheinen können.

Always Something Better“ und "While The Cold Winter Calling" bedienen sich mustergültig aus der Ambient-Ecke ohne jemals belanglos zu werden.


Das Album ist zwar überwiegend elektronisch, aber mit Sicherheit kein Technoalbum. Dafür ist es viel zu gut hörbar und hat - trotz fehlender Vocals - auch durchaus Songstrukturen. "Moan“ war seinerzeit auch ein ziemlicher Clubhit, wobei ich ehrlicherweise sagen muss, dass das größte Trentemoellersche Clubmonster gar nicht auf dem Album ist. Das ist nämlich sein Remix für Martinez' "Shadowboxing" - wie ich finde.


In meinen Augen scheint Trentemoeller allerdings den Zenit seiner innovativen Schaffenskraft hinter sich gelassen zu haben. Fest zu stellen an dem Konzert im "Uebel & Gefährlich Hamburg" auf einen Samstagabend. Vor einigen Jahren hat der gute Mann morgens um vier an gleicher Stelle angefangen zu spielen und wir sind um drei schon nicht mehr reingekommen. Gestern war das anders.


Das Konzert war vielleicht zu drei Viertel gefüllt und auch kein echter Reißer. Nur in wenigen Momenten hat Trentemoeller plus Band die Energie erzeugt, die man von deren Veröffentlichungen erwarten könnte. Richtig enttäuscht haben mich die Visuals - es gab keine - und in Sachen Lichttechnik habe ich auf einem Open Air am hellichten Tage schon Besseres gesehen.


Ehrlicherweise haben mich aber schon die beiden letzten Alben "Into The Great Wide Yonder" und "Lost" nicht wirklich überzeugt. Uninspiriertes Getöse an der Schnittstelle zwischen Techno und Gitarre mit hin und wieder eingestreuten Sounds, die wohl an Aphex Twin erinnern sollen, aber eher nerven. Merke: Alles was nach Aphex Twin klingt, ohne Aphex Twin zu sein, NERVT.

Aber das macht "The Last Resort" nicht schlechter, das Album ist sensationell.