Ghostpoet - Some Say I So I Say Light

Hybridmusik für das 2. Lebensdrittel und cheesy chips are a drunk man’s best friend


Es scheint, dass man für Hybridmusik, die den gemeinsamen Nenner irgendwo zwischen Dubstep, UK Garage und laid back HipHop findet, ein gewisses Lebensalter benötigt. Ich konnte mit dieser Art von Musik lange Zeit nur wenig anfangen. Nichts Halbes und nicht Ganzes und damit uninteressant. Deshalb habe ich auch den Hype um Tricky, A Guy Called Gerald und Massive Attack lange Zeit nicht wirklich verstanden. Das hat sich bei mir in den letzten Jahren geändert und daran trägt Ghostpoet einen ganz gehörigen Anteil. Den Mann habe ich eher zufällig auf einem Konzert gesehen und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dies eines der besten Livekonzerte war, die ich bisher sehen durfte. Der Mann hat mich zwei Stunden - im übertragenen Sinne - gefesselt und zwar nicht aufgrund seiner ausgeklügelter Visuals, Flammenwerfer auf der Bühne oder sonstigem Schnickschnack. Sondern: Der Sound - in dem Fall live von einer Band eingespielt - in Kombination mit der eindrucksvollen Stimme des Engländers lässt einen nur schwer los. Und das schafft der Mann auf Albumlänge locker durchzuhalten.



Die beiden ersten Tracks - "Cold Winter" und "Them Waters" breaken düster vor sich hin, bevor es mit mit "Dual Tone" inkl. weiblicher Gaststimme etwas hoffnungsvoller wird. "Plastic Bag Brain" klingt wie eine psychedelische Platte aus den 70ern, die sich versehentlich in einen HipHop Battle der späten 90er verirrt hat. Ziemlich abgefahren also. "MSI Musmid" ist schon fast ein klassischer DrumNBass Track. Wäre da nicht das nasale Erzählen des Geisterdichters. Auf youtube findet sich ein Album Mini Mix, der euch einen sehr guten ersten Eindruck zu dem Album gibt.


Es lohnt sich im Übrigen mal die Lyrics zu googlen. Der Kerl hat echt was zu Erzählen und die Texte passen zum Sound. Bei dieser Gelegenheit empfehle ich auch, sich die Facebook Seite des Herrn anzuschauen. Der Mann postet nicht, wo er wie geil performt hat und bald noch fetter performen wird - wie es in dem Genre nicht ganz unüblich ist - sondern hat ernsthaft Humor, den er mit viel Wortwitz verpackt. Als kleinen Einblick findet ihr seine Ode an ein herzhaftes Frühstück nach einer wunderbaren Nacht. Ich habe selten eine so treffende Beschreibung unterschiedlicher Gefühlszustände an einem Sonntagmorgen gelesen.


Ich höre das Album - obwohl es mitunter doch ganz schön derb und sperrig klingt - recht häufig. Meist alleine, entweder auf Reisen oder komischerweise auf dem Fahrrad. Man muss sich darauf allerdings auch einlassen, da sowohl die Beatarrangements, als auch die Lyrics wirklich fordernd sind. Für einen gemütlichen Abend auf der Couch gibt es da sicherlich passenderen Soundtrack als beispielsweise der letzte Track auf dem Album. "Comatose" macht mit einem Orgel-Violinen-Dubstep Gewitter nämlich seinem Namen alle Ehren.