Burial – Untrue

Four Tet ist nicht Burial und Burial ist eine musikalische Offenbarung


Es gibt Sätze, die werden nur in Plattenläden ausgesprochen und es gibt Fragen, die kann man nur dem Mann seines Vertrauens in solch einem Laden stellen:


"Ich glaube, mir könnte Dubstep gefallen. Allerdings kenne ich nur Skrillex. Den finde ich furchtbar. Hast du sowas Ähnliches für Mitte Dreissigjährige?"


Andre - der Mann meines Vertrauens bei Michelle Records - hat mich in diesem Moment sehr wissend angesehen. Wie ein erfahrener Apotheker, der genau weiss, welches Medikament aus den seinen Schränken jetzt mit Sicherheit wirkt. Oder wie ein sehr alter Winzer, der den perfekten Wein für den Abend unter dem Tresen hervorzaubert.


“Hier. Das ist Burial. Das ist genau das, was du suchst. Falls dir die Platte nicht gefällt, dann bring sie zurück."


Es passiert leider nicht besonders häufig, dass man musikalisch etwas wirklich Neues und Bahnbrechendes für sich entdeckt. Viele Bands kennt man, hat von Ihnen gehört oder weiss, was sich zumindest so ähnlich anhört. Das ging mir lange Zeit - von einigen wenigen Ausnahmen einmal abgesehen - genauso. Aber dann kam Burial. Burial schafft es in all seinen Alben und Veröffentlichungen einen Sound zu erzeugen, der für mich einzigartig klingt.


Verzerrte Beats schweben über rauschenden Klangteppichen. Hallendes Dubgewummer harmoniert mit Anleihen aus frühem 90er DrumNBass. Und verfremdete Vocals, die aus einer anderen Welt zu stammen scheinen werden von einer strammen 4/4 Drum durch die Tracks getrieben.


Nach einem kurzen Intro startet das Album mit einer Liebeserklärung namens "Archangel" - getragen von einem rohen DnB Rhythmus - und einer Stimme, die weder männlich noch weiblich klingt. "Near Dark" bleibt dem Thema Liebe treu, ist allerdings deutlich darker, während "Ghost Hardware" dann etwas hoffnungsfroher klingt. Das Titelstück "Untrue" kommt einem echten Clubtrack dann noch am nächsten, da das zentrale Element eine 4/4 Bassdrum ist. Wobei das Album ehrlicherweise zwar für die Nacht gemacht ist, aber nicht für den Club. "Homeless" ist dann schon fast klassischer Dubstep, der aber sehr angenehm groovt. Das Album endet dann mit meinem persönlichen Lieblingsstück "Raver".


Es gab eine lange Periode von unterschiedlichen Diskussionen dazu, wer Burial denn nun sein könnte. Kandidat #1 war Four Tet. Der war und ist es aber nicht. Burial hat das Rätsel zeitgemäß via Selfie vor Kurzem aufgelöst. Das lässt hoffen. Der schüchterne Brite ist nämlich meines Wissens noch nie live aufgetreten. Wie auch, so ganz öffentliche Identität. Das ändert sich nun gegebenenfalls und würde mich sehr freuen.

Burial nimmt einen mit auf eine Reise in die eigene Gedankenwelt und sollte daher am ehesten alleine gehört werden. Sein Sound schafft sich Gehör und eignet sich kaum zum nebenbei vor sich hin plätschern lassen. Vielmehr finde ich, dass es das ganze Album verdient laut gehört zu werden, dann trägt einen der Sound. Wohin? Das entscheidet ihr selbst!