Acid Pauli - Get Lost V

Die Suche nach dem perfekten Mixtape hat ein Ende


Mit Mix-CDs ist es ja so eine Sache. Im Netz finden sich unendlich viele DJ Mixe von Bedroom-DJs, die damit auf den großen Durchbruch hoffen. Manchmal klappt's ja auch, wie man an dem Phänomen “Falscher Hase" sieht, in vielen Fällen sind aber gerade diese Mixe eine recht lieblose Aneinanderreihung von beliebigen Tracks, die gnädiger weise dank Traktor wenigstens noch erträglich gemixt sind. Dann gibts viele Promo-Mixe von bekannten DJs, die häufig gut - erwähnt seien hier, die Mixe auf resident-advisor.net - aber eher für den schnellen Konsum gemacht sind. Aus diesem Grund haben schon diverse Menschen der klassischen Mix-CD ein langsames aber unaufhörliches Sterben prophezeit. Das glaube ich nicht, ich bin fest davon überzeugt, dass es im elektronischen Kontext eine Reihe von Liebhabern gibt, die Spass daran haben, einen ausdifferenzierten und gut durchdachten Mix oft zu hören. Dazu muss der Mix aber das klassische Muster durchbrechen: Zwei deepe Platten als Warm-Up, dann sieben Tracks Vollgas und dann noch drei verkopfte Stücke, die den künstlerischen Anspruch darstellen. Das ist viel zu wenig und dafür braucht es heutzutage das Format Mix CD auch nicht mehr. Ein DJ Mix kann im Übrigen auch nicht das Erlebnis einer Clubnacht widerspiegeln. Dazu muss man schon rausgehen.

Ich finde eine Mix CD muss einen auf eine Reise mitnehmen, verschiedene Stilrichtungen zu etwas Neuem verbinden und zum aufmerksamen Zuhören einladen. Und zwar so sehr, dass man die CD häufig hören möchte, weil sie einem jedes mal Neues offenbart. Quasi ähnlich wie bei einem Album, mit dem Unterschied, dass man auf diese Weise viele neue Künstler kennenlernt. Eine der besten Mix-CDs der letzten Zeit kommt von "Acid Pauli". Martin Gretschmann hat Anfang 2000 mit einem Projekt namens "Console" bereits ein Album veröffentlicht und - das wusste ich bis dato auch nicht - ist Teil der  Band "The Notwist", die sich dem fordernden Indie-Sound verschrieben haben und jüngst ein neues Album released haben. Neben diesen Projekten war Acid Pauli lange Zeit Resident DJ im Spielplatz für Erwachsenen #1, der Bar 25.


Keine der beiden Mixe zielen unmittelbar auf den Dancefloor, sondern bestehen vor allem aus deepen und verspielten Stücken, die in den seltensten Fällen bis zum Ende laufen, sondern oft nur drei Minuten dauern. Dennoch wirkt es nicht zusammengestückelt, sondern wie aus einem Fluss. Das ist vor allem der ausgefeilten Technik von Acid Pauli geschuldet, der viele Stücke auch live direkt einspielt und sämtliche technischen Möglichkeiten nutzt. Bei der  Trackauswahl vor allem auf CD1 merkt man dem Herrn seine häufigen Auftritte in der Bar25 an. "Nu", "Kadebostan", aber auch "Move D" und unser Hamburger Lieblingsgroover "Stimming" machen in Sachen deepes Dancefloor-Moving keine Gefangenen. CD2 nimmt den groovenden Ball mit "DOP", "Gunja & Nicone" oder "Kabala & Liebe" auch bis zur Hälfte der CD auf. Dann wird es experimentell und damit noch interessanter. "Black is "Beautiful", die unvermeidlichen "Autechre" oder auch "The Band That Never Met" nehmen den Hörer mit auf eine Reise in die eher komplexen Randbereiche elektronischer Musik. Wem das übrigens gut gefällt, dem sei Acid Paulis' Album "Mst" empfohlen.

Die knapp zwei Stunden Mix werden nicht eine Sekunde langweilig und ergeben ein sehr harmonisches und rundes Stück Mixkultur. Wunderbar zum Hören alleine oder zu zweit. Letzten Endes nicht wirklich was für den Club, lieber für den Weg nach Hause.