Jeder, der zumindest ein bisschen Anspruch in die Musikauswahl legt kennt es, die vorgefertigten Spotify-Playlists sind entweder einfach nur schlecht und nervig, gespickt mit üblen Mainstream-Hits und spätestens nach dem dritten Lied unerträglich zu hören. Oft möchte man einfach nur Musik im Hintergrund blubbern lassen, z.B. wenn Gäste da sind, oder man nervige Hausarbeit verrichtet.


Wir bringen nun Abwechslung und Qualität in die ewige Leier der Retorten-Playlists. In regelmäßigen Abständen werden wir Spotify-Mixtapes veröffentlichen und Euch hoffentlich auf die ein oder andere musikalische Perle aufmerksam machen können. Wichtig: Nicht im Shuffle-Modus hören, die Mixtapes entfalten ihre Wirkung nämlich nur, wenn sie in der richtigen Reihenfolge gespielt werden.


Es geht los mit zwei zur jetzigen Zeit thematisch passenden Playlists, die ihr immer und zu jeder Zeit und Anlass zu Hause hören könnt ohne, dass Eure Nerven strapaziert werden.


COMING HOME MIXTAPE - Link



STAYING HOME MIXTAPE - Link



Klopapier und Nudeln hamstern? Ohne mich. Ich habe zwei Kisten Weißwein und sieben neue Platten bei den Händlern meines Vertrauens um die Ecke telefonisch bestellt, online bezahlt und kontaktlos abgeholt. Daher kann die Quarantäne im Zweifel kommen. Ich bin gerüstet.




Auf Lys freue ich mich schon eine ganze Weile. Christian Löffler hat 2012 mit "Forest" ein Album produziert, das mich seitdem begleitet. Im Plattenregal findet sich das gute Stück unter "Listening Techno" und da gehört "Lys" ebenfalls hin. Elektronischer Sound zum Hinhören und Eintauchen. Das klingt zwar im Grundton melancholisch lässt aber die Hoffnung auf Besserung nie außer Sicht. Ironischer Weise ist dies ein gutes Abbild der aktuellen Situation in der wir uns alle unfreiwillig überwiegend zu Hause in sozialer Isolation befinden und darauf hoffen, dass sich dies bald bessert.


Da wir die äußeren Rahmenbedingungen nicht ändern können, empfehle ich, das Beste daraus zu machen. In diesem Fall auf einen frühen Sonntag Abend eine Flasche Weißwein zu öffnen, das Album auf mittel lauter Lautstärke aufzulegen und sich darauf einlassen. Das Album lässt sich sehr gut durchhören, da die Tracks zwar autark für sich stehen, aber dennoch harmonisch ein Ganzes ergeben. Es fällt mir daher schwer mich für mich einen Anspieltipp zu entscheiden. Lieber von vorne bis zum Schluss durchhören. Auch wenn "Versailles (Hold)" sicherlich eine Ausnahmetrack ist und von Christian Löfflers Stimme nochmal eine besondere Intensität und Tiefe erlangt.




Also - für alle Melancholiker in diesem fordernden Zeiten Auf "Lys" wird am Ende eines jeden Tracks alles gut, ohne dass es vorher schlecht war. Sogar auf "The End" mit der wunderbaren Josephine Philip ist viel Platz für Hoffnung - da heißt es nämlich sehr treffend

In the end, in the end

It's all you, it's all you


Nehmen wir uns das zu Herzen!





Ich habe meinem guten Freund Stephan für einige Tage meine Wohnung überlassen und als Dankeschön Espressobohnen und das neue Eulberg Album als Vinyl auf dem Küchentisch gefunden. Ein sehr erfreulicher Umstand, ansonsten wäre mein neues Lieblingsalbum nämlich an mir vorbeigingen.




Dominik Eulberg ist im Zirkus Electronica einer der interessanteren Typen. Studierter Ökologe, sehr aktiv in allerlei Naturschutzverbänden und international bekannter DJ und Produzent. Eine sympathische Mischung in einer Szene in der Hedonismus keine Seltenheit ist.

Sein aktuelles Album ist der Vielfalt heimischer Wälder verschrieben, was beim liebevoll gestaltenden Cover beginnt, in den entsprechend benannten Tracknamen erkennbar und in fast jedem seiner Tracks auch spürbar ist. Eulberg verwendet keine vorproduzierten Sound oder Pre-Sets, sondern nutzt selbst aufgenommene Fieldrecordings aus Flora und Fauna und bearbeitet diese im Studio weiter. Wie das genau funktioniert hat er der Groove ausführlich erzählt (https://groove.de/2019/09/04/im-studio-mit-dominik-eulberg-kabel-sind-nicht-gut-fuer-meine-psyche/ ).

Das Album passt zur dunklen Jahreszeit und ist im weitesten Sinne als Downtempo bzw. Listening Techno zu verorten- einzig „Neuntöter“ schielt zart auf den Clubeinsatz. Alle anderen Tracks sind der perfekte Soundtrack für lange Winterspaziergänge, Zugfahrten durchs neblige Hinterland oder Abende bei Kerzenlicht auf der Couch.


Mein Anspieltip ist übrigens Siebenschläfer - habe ich sicherlich schon 20x auf dem Weg zur Arbeit gehört





Eulberg schafft es eine hoffnungsvolle Melancholie zu erschaffen, die einen im Sound versinken lässt. Deshalb bitte nicht im Hintergrund laufen lassen, sondern zuhören und den eigenen Gedanken nachhängen.