Noze - Dring

Wo ist mein Strohhut, wo ist der Wodka?

Noze sind zwei recht verrückte Herren aus Paris, die vor allem für alkoholgetränkte und heftige Liveauftritte bekannt sind. Sie darauf zu reduzieren wäre aber zu kurz gesprungen. Ezechiel Pailhes ist ausgebildeter Jazzpianist und Nicolas Sfintescu Mitbegründer des feinsinnigen Houselabels Circus Company. Und das hört man dem Album auch an.



Ich bin über eine Groove-CD (als es das Groove Magazin noch in Papierform lag der Kaufversion immer eine recht gute CD mit Tracks von Künstlern aus dem aktuellen Heft bei) auf die Band gestoßen und habe seitdem alle Alben gekauft. Das Album Dring ist nicht ganz so skurril wie das 2008 erschiene Songs On The Rock.  Da war der Name – gelinde ausgedrückt – schon Programm. Die gleichnamige Singleauskopplung ist ein Hit zum Ausrasten, wie man ihn selten so kompromisslos hört. Die Einflüsse aus Balkan Pop, unterlegt mit einem treibenden Housebeat, lassen einen nur schwer ruhig stehen. Und das dazugehörige Video ist ein Paradebeispiel, wie man aus minimalem Produktionsbudget maximal gute Laune produziert. Keine Ahnung wie die es schaffen, dass man sofort Lust bekommt, Wodka zu trinken und dabei einen Strohhut zu tragen.


Das Album startet jedoch ruhig und jazzig und ist mit Cinq schon fast experimentell. Mit „Dring“ ändert sich das dann aber schnell und bleibt bei den nächsten beiden Tracks, bei denen Noze mit Wareika zusammengearbeitet haben, auch erstmal Party-orientiert. Danach wird’s teilweise wieder jazzig und klingt sogar – vor allem wegen der rauchigen Stimme – nach so was Ähnlichem wie Blues.


Leider schließt das Album mit einem völlig überflüssigen und einfallslosen Technotrack namens „Concrete“ ab. Den möge man bitte ignorieren.


Vor einigen Jahren gab es in der Groove einen längeren Artikel über die beiden Artists zu lesen. Das dazugehörige Bild zeigte die Beiden nackt (mit einem Kissen vorm Gemächt) auf einem roten Plüschsofa herumspringend. Ungefähr so klingt das Album auch. Ein bisschen unreif und zügellos, aber unbedingt liebenswert.